(1), 2015
110 × 110 cm
(2), 2015
110 × 110 cm
(3), 2015
110 × 110 cm

Es war fast zu kühl in diesem Raum, dachte sie. Die Klimaanlage surrte leise. »Ladies and Gentlemen, may I introduce Lilo Cordes…« sagte er auf Englisch. Nicht auf Französisch. Er zierte sich, weil er sich unwohl fühlte, obwohl er Französisch gelernt hatte. Die Anwesenden klatschten, sie drehte sich für einen Moment um. Sie saß ja schließlich in der ersten Reihe. – Links.

Udo Bellon Malermeister Düsseldorf stand verblichen auf der Seitentür des Taxis, einem Minivan der Marke Nissan, der vor dem Hotel auf sie wartete. Sie nannte dem Fahrer das Ziel und sie vereinbarten einen Pauschalpreis. Der Mann war gesprächig. Er fragte sofort, ob sie aus Deutschland kämen. Als sie erzählte, dass sie, sie verwies auf die Aufschrift des Taxis, aus Düsseldorf käme, begann eine Lobesrede über Deutschland. Sie war irritiert, sagte aber nichts, denn sie wollte nicht unhöflich sein. Andrej schwieg.

Nach mehr als drei Stunden Fahrt fuhren sie eine steile Auffahrt hinauf, der Pförtner am Tor wusste bereits Bescheid. Am Hang mehre Gebäude, graue flache Kuben. Nachdem sie bezahlt und sich vom Fahrer verabschiedet hatten, wurden sie vom Direktorium der Forschungsstation in Empfang genommen. Die offizielle Begrüßung fand etwas später in der Bibliothek statt, einem fensterlosen Raum, an dessen Seitenwänden die Bücherregale standen. In der Mitte: Stuhlreihen. Davor: das Rednerpult. Sie mochte die trockene Strenge des Sichtbetons, der ihr natürlicher schien als alles andere. Das Licht ging aus. Man wartete mit Spannung auf die Projektion.

Text: Ann-Kathrin Müller: Die Observation, Stuttgart 2015.