• Installationsansicht, Fotografie: David Spaeth
  • Installationsansicht, Fotografie: David Spaeth
  • Luftaufnahme: Martin Mannweiler

»brāhha« ist eine Begehung in elf Text-Miniaturen über das Brachliegende und das daraus Gedeihende, über geologische Schichten und Zeit-Geschichte.  Über Stege werden die Besucher*innen auf das überwachsene Grundstück im Bruckmannweg 10 in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung geführt. Es birgt die Überreste eines im Zweiten Weltkrieg zerstörten Baus, der 1927 zur Werkbundausstellung errichtet worden war. »brāhha« reflektiert die Auswirkungen des Krieges auf die europäische (Stadt)-Landschaft aus einer feministischen Perspektive. Das althochdeutsche »brāhha« meint das Umbrechen, das erste Pflügen des Ackers und fasst als sprachliche Analogie beides, den kollektiv-historischen und den individuellen Prozess, »sich der eigenen verschütteten Vergangenheit zu nähern.« (Walter Benjamin)

 

 

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»Deshalb war sie eine Wiese und war nicht der Architekt, der darauf ein Haus baut. Ihr Körper darunter eine Landschaft, die nicht erobert werden muss, weil sie einlädt, aufnimmt, Üppigkeit und Frieden verheißt.«

 

 

  • Installationsansicht, Fotografie: David Spaeth

»Es waren diese Körper nicht vom selben Schlag wie die Bergköpfe am Horizont, wie die Verkehrsadern im Tal, die Meeresbusen, die Becken, die Gebirgsarme. Es waren diese Körper eigene Territorien, in denen unter Kraftaufwand versucht wurde, die Kreisläufe zu unterbrechen, die nach oben trugen, was in die Tiefen herabgesunken war. […] Das Bestellen des Ackers ist neben der Ernte ein Höhepunkt des Kultivierungsprozesses. Das Lockern des Bodens, die tiefen Furchen in den lehmigen Schichten, das Ausstreuen der Saat und das Warten auf das Wachsen. Aber hier sehen wir nun Personen zaudernd auf einer verbuschten Fläche stehen. Niemand möchte hier etwas ausgraben, fürchtet man sich doch vor dem, was vergraben wurde. Sie reichen sich den Spaten weiter wie ein Stück glimmendes Holz, an dem man sich die Finger verbrennt. Es verspüren sie alle einen Ekel davor, mit kraftvollen Stichen umzuheben, was da unter ihren Füßen liegt.«

  • Installationsansicht, Fotografie: David Spaeth
Text

Judith Engel

Stege
Großflächenplakat
Sprecherin (deutsch)

Charlotte Schön

Sprecherin (englisch)

Isabell Schmier

Übersetzung

Kate Vanovitch

Im Rahmen des

CURRENT Festivals, Stuttgart,

9.–19. September 2021

Im Auftrag der

Freunde der Weissenhofsiedlung e.V.

Gefördert von

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Wüstenrot Stiftung

Freunder der Weissenhofsiedlung e.V.

Dank an

Mirabelle Korfsmeier-Döcker

Inken Gaukel

Landesamt für Denkmalpflege

Baukunstarchiv der Akademie der Künste Berlin

Stadtarchiv Stuttgart

Liegenschaftsamt der Stadt Stuttgart